Bösendorfer - Reset to 1900 by Yamaha

Europäischer Klavierhersteller im Besitz eines asiatischen Musik-Konzerns

Marketing - ganz ohne Rücksicht auf Regeln

Immer wieder muss man beim Besuch älterer Homepages die Links überprüfen. Denn manchmal kann es geschehen, dass die verlinkten Ziele auf eine andere Seite umgezogen sind. Dann muss man den Link korrigieren, um bei den Besuchern seiner Seiten keinen schlechten Eindruck zu hinterlassen.

Eigentlich ist es ja ein Tabu, zumindest aber schlechter Programmier-Stil, wenn man Inhalte auf eine andere Seite umzieht, ohne dafür zu sorgen, dass über eine entsprechende Umleitung der alte Link immer noch gefunden wird. Doch leider gibt es hinsichtlich dieser ungeschriebenen Internet-Regel immer wieder Ignoranten. Also kontrolliere ich meine Links zum Thema Silent-Pianos und Selbstspieler auf der Homepage www.hybrid-piano.de und dort anlässlich der Frage: Ist die Verbindung aus akustischen und elektronischen Klängen neu? Dabei stelle ich fest, dass der Link zu dem genialen Selbstspieler CEUS von Bösendorfer auf eine leere 404-Error-Seite führt.

Auf der 404-Error-Seite steht unten ein Link Weiter zur Bösendorfer-Homepage. Den klicke ich an, denn ich suche ja den neuen Link zum Ziel CEUS, damit Sie sich auf der Herstellerseite über diesen Computerflügel selbst informieren können. Meine Suche innerhalb der Produktpalette von Bösendorfer blieb erfolglos. Diese beschränkt sich nämlich auf einmal auf ausschließlich akustische Pianos.

Langsam bekommt man als Suchender Stress. Denn es kann ja wohl nicht wahr sein, dass ein Klavierhersteller einen Meilenstein seiner eigenen Entwicklung derart in seiner Homepage versteckt, dass man diese erst umgraben muss? Glücklicherweise bietet Bösendorfer in dem neuen Design der Homepage rechts oben eine Suche an. Ich gebe CEUS ein und lasse suchen. Hm, es scheint unglaublich, aber Bösendorfer kann auf seiner eigenen Homepage den aufzeichnungsfähigen Selbstspieler CEUS nicht finden. Das finde ich zumindest seltsam. Meine Gedanken drehen sich im Kreis. Ein typisches Stress-Phänomen. Wie komme ich aus diesem sinnlosen Gedankenkreislauf wieder raus? Ha, indem ich eine Suchmaschine nutze. Mal sehen, was mir DuckDuckGo auf meine Frage nach Bösendorfer CEUS für Ergebnisse liefert.

In der Suchmaschine sind kaum noch Direktlinks auf die Homepage von Bösendorfer im Zusammenhang mit CEUS zu finden. Das ist ja schon ein immerhin bemerkenswerter Misserfolg einer neuen Homepage, die offensichtlich alle bisherigen Links in den Müll gekippt hat. Das erscheint mir so unmöglich, dass ich mich frage: Ist das vielleicht eine Fake-Seite? Es kann doch nicht sein, dass Web-Designer so schlecht arbeiten? Schließlich wird die neue Homepage zumindest ein Zeit lang von keiner Suchmaschine mehr verlinkt. Die alten Links führen ins Nichts und bis die Suchmaschinen die neuen Links gefunden und in die Verzeichnisse integriert haben, vergehen ein paar Wochen. Wer ist für so eine Art von Marketing verantwortlich? Halt, ein Link ist zu finden. Er enthält eine interessante Zusage, nämlich eine Lebenslang-Garantie. Das kommt mir bekannt vor. Mit einem solchen Versprechen hat auch die Postbank jahrelang Kunden geworben, um sie 2016 damit zu konfrontieren, dass sie ihr Versprechen nicht halten kann. So ähnlich ist es jetzt wohl bei Bösendorfer, denn dieser Link führt schon wieder ins Nirvana einer 404-Error-Seite. Also was ist das los bei Bösendorfer? Warum kann man den Computerflügel CEUS nicht mehr auf der Homepage finden? Warum ignoriert man die Standard-Regeln des Internets und lässt nun massenhaft alte Links auf eine 404-Error-Seite laufen? Schließlich hatten doch all diese Links die gute Absicht, auf ein außergewöhnliches Produkt, eben auf einen Meilenstein der Klaviergeschichte hinzuweisen. Dass Produzenten einen derart schlechten Draht zum Marketing haben können, wird für mich immer unverständlicher. Hoppla! Marketing? Lassen Sie uns doch mal versuchen, das Ganze aus der Sicht des Marketings zu verstehen!

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Was steckt hinter einer Firmenübernahme?

Warum hat Yamaha 2007 Bösendorfer gekauft?

2007 hat Yamaha den österreichischen Premiumhersteller Bösendorfer kaufen dürfen. Dürfen? War Bösendorfer nicht in einer finanziellen Notlage? Schon, aber: Bösendorfer hatte die Wahl: Lassen wir uns von einem chinesischen Anbieter oder von Yamaha kaufen? Man entschied sich für den Konzern aus Japan. Das war aus der Sicht Bösendorfers eine gute Entscheidung. Denn Yamaha war im Klavierbau der einzige Anbieter, der zumindest bis gerade eben noch im Marketing weitaus fundierter als alle Mitbewerber gearbeitet hat.

Warum aber hat Yamaha Bösendorfer gekauft? Die Pianisten erhofften sich: Yamaha will Bösendorfer derart aufbauen, dass man damit Steinway überholen kann. Die Überheblichkeit der Steinway-Vertreter lies diese Sehnsucht nach einer ernst zu nehmenden Alternative immer stärker werden.

Was war nun seit der Übernahme durch Yamaha 2007 bis 2016 bei Bösendorfer geschehen? Wie man in Kundengesprächen hörte, ging es bei den Österreichern deutlich bergauf. Das Unternehmen erholte sich und die neuen Produkte wurden gelobt. Über die Zusammenarbeit zwischen der CEUS-Abteilung von Bösendorfer mit den Disklavier- und Silent-Technologie-Leuten von Yamaha bekamen die Österreicher auch eine neue Perspektive, wie man heute noch bei Wikipedia nachlesen kann: Es kam zur gemeinsamen Entwicklung eines Bösendorfer disklavier E3. P.S.: Ich bin gespannt, wie lange das noch so bei Wikipedia steht.

Die letzten Jahre wurde das Unternehmen Bösendorfer von Brian Kemble als Geschäftsführer geleitet. Dessen Unternehmen Kemble wurde von der Mutter Yamaha geschlossen. Die Kemble-Pianos wurden in die indonesische Produktion von Yamaha integriert. Damit Brian Kemble diesem Deal zustimmt, wurde er von Yamaha zum Geschäftsführer von Bösendorfer befördert. Nun hat die Geschäftsleitung gewechselt. Neue Besen kehren ja bekanntlich gut. Und so hat die neue Geschäftsleitung von Yamaha offensichtlich den Auftrag erhalten, deren neue Marketing-Strategie umzusetzen. Sie wollen wissen: Wie lautet nun diese neue Strategie im Klaviermarketing von Bösendorfer?

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Wann haben Sie zuletzt ein Reset von irgendetwas durchgeführt?

Bösendorfer - Reset to 1900 by Yamaha

Reset als ein neues Marketing-Instrument

Die neue Strategie von Yamaha ist auf das Top-Segment des Marktes der Klassischen Musik ausgerichtet. Gefragt sind die Instrumente für Hochleistungs-Klassik. Neben einer Supertechnik geht es hier um den Spitzenklang. Das sind die Marken, die man öffentlichkeitswirksam auf den Bühnen der Welt sieht. Und wer dort zu finden ist, dem Stehen auch die Türen in die Musikhochschulen, zu den Übungsräumen der Konzertpianisten sowie in die Wohnzimmer der High-Society offen.

Auf den Weltbühnen stehen bislang zum überwiegenden Teil Pianos von Steinway. Die Ursache für diese einsame Spitzenposition ist tatsächlich ein auf der Vorleistung des hervorragenden da innovativen Klavierbauers Henry Steinway basierendes Marketing. Konkret waren es drei Marketingmaßnahmen von Steinway. Ende 1800 setzte Henry Steinways Sohn William die folgenden für den nachhaltigen Erfolg ausschlaggebenden Maßnahmen um:

  1. Er gründete die Steinway-Hall und das heißt, er bot den Künstlern eine Bühne.
  2. Er rief die Steinway-Artist-List ins Leben - und erweiterte damit die Produktpalette von Pianos auf Dienstleistungen für die Pianisten, die sich eindeutig dazu bekannten, dass sie ausschließlich auf Steinway-Pianos spielen.
  3. William Steinway baute das Zweitwerk von Steinway in Hamburg und somit genau vor der Nase seiner Mitbewerber für den großen Markt Europas.

Wie wir heute rückblickend wissen, stieg Steinway nachfolgend zu einem einsamen Stern am Himmel der Klavierspieler auf, der nun von Yamaha mit deren Flaggschiff Bösendorfer gejagt wird. Es geht um das Kerngeschäft. Um hier erfolgreich zu sein, beschränkt man sich am besten auf seine Kernkompetenz und die lautet: Wohlklingende akustische Pianos bauen. Die anderen Segmente des Hybrid- sowie Digital-Pianos werden ja aus Sicht von Yamaha bereits erfolgreich von ihnen selbst vermarktet - und kontrolliert. Also verordnet man dem Premiumhersteller aus Österreich schlicht ein Reset, ein Zurücksetzen auf jenen Zeitpunkt, als Bösendorfer einen weiteren Meilenstein in der Klaviergeschichte wagte, der bis heute dafür mitverantwortlich ist, dass der Name Bösendorfer unter Freunden der Klaviermusik der Garant für Wohlklang ist: Ludwig Bösendorfer baute auf Anregung von Ferrucion Busoni den 8 volle Oktaven umfassenden Jahrhundertflügel IMPERIAL.

Die Tatsache, dass man so einen im Tonumfang von 97 Tasten außergewöhnlich weitreichenden Flügel gebaut hat, ermöglichte es den Leuten von Bösendorfer, eine neue Dimension des Klangs zu hören. Dieses Klangerlebnis versuchte man nachfolgend auch in anderen Modellen zu realisieren. Das ist die Geschichte des guten Klavierklangs, die darauf zurückzuführen ist, dass ein Klavierbauer bereit war, außergewöhnliche Wege zu gehen.

Auf diesen im Jahr 1900 erreichten Stand setzt also Yamaha Bösendorfer zurück. Was ist daran schlimm? Eigentlich nichts. Außer, dass die Zeit um 1900 ebenso wie heute ein Zeit des Aufbruchs war. Die Industrialisierung nahm rasant an Fahrt auf. Denn es war die Zeit, als

das Leben massiv veränderten. Heute stehen wir wieder an einer Schwelle der Veränderung. Die neuen Herausforderungen lauten:

Wo liegen die Unterschiede zwischen 1900 und 2017? 1900 hatten wir 1,6 Milliarden Menschen auf der Welt. Die damals auftretenden Veränderungen brauchten im Vergleich zu heute relativ viel Zeit. Das heißt, es gab für die Menschen eine Chance, sich an die Veränderungen anzupassen. Im Jahr 2020 geht man von 7,72 Milliarden Menschen aus. Im Gegensatz zu der Zeit vor knapp 120 Jahren wird sich die Entwicklung der oben angeschnittenen Themen regelrecht überschlagen, da sie für die meisten völlig unbemerkt auf den Weg gebracht wird. Wir machen heute den gleichen Fehler wie 1900, wenn wir es versäumen, die Menschen auf die neuen Entwicklungen vorzubereiten, sie einzuladen und sie zu befähigen, den vor uns liegenden Weg gemeinsam und vor allem erfolgreich bewältigen zu können. Aktuell betrifft dieser Fehler andere Menschenmassen und wie schon angedeutet, geht die Entwicklung mittlerweile wesentlich schneller. Anfang 1900 folgten den Veränderungen 2 Weltkriege. Vor allem den Ersten Weltkrieg führt man auf das Großmachtstreben von Nationalstaaten zurück. Der Zweite Weltkrieg wurde aber vor allem von der Stimmung angeheizt, mit dem Ausgang des Ersten Weltkriegs übermäßig hart bestraft worden zu sein. Die Menschen wollten keine Verlierer sein. Diese Stimmung nutzen die Faschisten und Nationalsozialisten - und es folgte das Dritte Reich.

Das inzwischen rasante Tempo der Entwicklung führt dazu, dass sich viele als Verlierer der Veränderung verstehen. Andere wiederum sind mit den Neuerungen schlicht überfordert und verweigern sich überhaupt der Kenntnisnahme der Neuigkeiten. Diese beiden Phänomene führten aktuell zum Ausstieg Großbrittaniens aus der EU sowie zur Wahl von Donald Trump in USA, der nicht nur den konsequenten Rückschritt in die Vergangenheit versprach, sondern diesen auch aktuell zu realisieren versucht. Diejenigen, die den Brexit und Trump gewählt haben, werden somit garantiert zweimal bestraft: Das erste Mal wurden sie von den sie überraschenden Entwicklungen benachteiligt und nun werden sie von den Konsequenzen ihrer erfolgreichen Wahl ein zweites Mal abgestraft!

Wenn ich im Klavierservice unterwegs bin, spreche ich viel mit meinen Kunden. Dabei erzähle ich auch von den neusten Entwicklungen, die es im Bereich der Tasteninstrumente gibt. Die Klavierspieler hören sich meine mit Begeisterung vorgetragenen Informationen an und antworten beinahe unisono darauf: Mein akustisches Klavier genügt mir bzw. das akustische Klavier ist doch immer noch besser! Warum ist das so? Nun der 1826 von Henri Pape durch die Befilzung der hölzernen Hammerkerne ermöglichte Wohlklang ist ein Klangmuster, das uns quasi automatisch entspannt. Gerade wegen dieses Automatismus der Entspannung haben zahlreiche Menschen das Klavierspiel für sich als eine Möglichkeit entdeckt, um den zunehmenden Stress kanalisieren zu können. Alles Neue bedeutet ja zuerst einmal Stress, da mit dem Neuen Veränderung verbunden ist. Wenn einem die Neuigkeiten wie aktuell nur noch so um die Ohren fliegen, ist es nachvollziehbar, dass man selbst die Reißleine zieht. Aus dem Neuigkeits-Verweigerer wird ein Entwicklungs-Verweigerer. Hilft dieses Konzept? Kann es Entwicklung verlangsamen? Nein. Es wird nur noch mehr Verlierer geben. Wollen wir das? Natürlich nicht. Was können, was müssen wir also ändern? Wir müssen uns der Entwicklung stellen, uns mit ihr auseinandersetzen, sie versuchen, für uns verträglich zu gestalten. Wie kann das gelingen? Wir müssen Anteil nehmen und uns in die Entwicklung einbringen.

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Kann es sein, dass Bösendorfer und Steinway völlig gegensätzlichen Strategien folgen?

Entwicklungs-Kompetenz

Ist der klassische Klavierspieler ein Entwicklungsverweigerer?

Yamahas Analyse könnte als Antwort auf diese Überschrift lauten: Ja! Wenn das so ist, fährt Yamaha fort, dann wollen wir diesen Markt nicht (mehr) mit Veränderungen traktieren, sondern ihn lieber in seinem So-Sein bestätigen, pflegen und mit dazu passenden Produkten von Unternehmen mit einer identischen Weltsicht bedienen. Klarer Fall: Die Hersteller von akustischen Pianos wollten alle lieber ein Reset auf 1900 - mit den damit verbundenen längst noch nicht gesättigten Märkten an akustischen Klavieren zum Zeitpunkt um 1900. Moment mal. Das heißt doch, dass Yamahas mittels Bösendorfer praktiziertes Konzept gar nicht aufgehen kann? Natürlich nicht. Denn die Situation, also die Realität, bleibt ja, wie sie ist:

  • In Europa soll es 8 Millionen akustische Pianos mit einer Lebensdauer von möglicherweise 200 Jahren geben.
  • In USA sollen bereits 10 Millionen Pianos verkauft worden sein.

Lediglich in China hat man noch ein Defizit - und wenn es um Märkte geht, dann gäbe es da ja auch noch Afrika, Arabien und Indien als das Land mit zweithöchsten Bevölkerungszahl. Dieser Aspekt der noch offenen Märkte drängt die folgende Frage förmlich auf:

Geht es darum, neue Märkte zu erschließen, und in dem Zusammenhang um Maßnahmen des Marketings? Interessanterweise kommt nun auf einmal wieder Steinway ins Spiel. Denn dort hatte man vor einigen Jahren mal laut überlegt: Wie könnte man das Klavierspiel für Einsteiger noch einfacher gestalten? Wie könnte man es möglich machen, schneller erfolgreich zu sein? Der Hintergrund des Nachdenkens war die Einsicht, dass es zwar viele Vermögende geben würde, die das Geld für einen teuren Flügel schon übrig hätten, jedoch weder Zeit geschweige denn Lust haben, nachfolgend erst langwierig (wie kleine Kinder) sich mühsamen Übungen unterwerfend das Klavier spielen zu lernen. Wie endete diese ganz eigene Marketing-Story? Steinway wurde 2013 an John Paulson verkauft. Der neue Besitzer erlaubte der Belegschaft, einen eigenen Selbstspieler namens Spirio zu entwickeln. Bislang mussten nämlich Steinway-Besitzer nach dem Kauf erst Pianodisc mit einer Nachrüstung beauftragen. Die Version eines Selbstspielers ist natürlich für reiche Nichtspieler die ideale Lösung. Denn so kann man diesen Leuten einen Steinway verkaufen, ohne dass sie sich lediglich aufgrund dessen Nichtnutzung als Nichtspieler offenbaren müssten. Moment mal. Mit dem Spirio ging Steinway dann ja gerade in die umgekehrte Richtung wie aktuell Bösendorfer im Auftag von Yamaha? Ja, das stimmt. Wie ist das möglich? Ich meine, wie soll man das im Sinne von Logik verstehen können? Oh, das ist ganz einfach: Der neue Besitzer von Steinway ist ein Nichtspieler. Ja, Sie haben richtig gelesen. John Paulson hat Steinway mehr oder weniger aus einer Laune heraus gekauft. Grundsätzlich hat er zwar schon immer Steinways Pianos bewundert, sagte er nach dem Kauf. Aber er kann nicht Klavier spielen. Daher hatte er absolutes Verständnis für ein auf Nichtspieler ausgerichtetes Angebot und somit für das Erschließen des Marktes der ausreichend betuchten Nicht-Klavier-Spieler für Steinway-Instrumente!

Die wenigsten unter Ihnen werden es wissen: Yamaha ist der Weltmarktführer im Bau akustischer Pianos. Gleichzeitig ist Yamaha der einzige innovative Klavierbauer im Segment der Hybrid-Pianos. Doch wenn es um weiterführende Entwicklungen geht, wie z.B. ein zum Digitalpiano gleichwertiges Hybrid-Piano auf den Markt zu bringen, so liefert Yamaha auf dem Markt keine Lösungen ab, obwohl die Japaner selbstverständlich über Lösungen verfügen, wie ein Verweis auf die Software-Tochter Steinberg mit Produkten wie der Digital Audio Workstation (DAW) Cubase beweist. Tatsächlich erreichen die zum herkömmlichen Klavier alternativen Instrumente interesssante Entwicklungsstufen mit kreativen Lösungen. Yamaha äh das akustische Piano muss sich entscheiden: Für oder gegen Entwicklung. Yamaha hat sich gegen die Entwicklung entschieden, um die bereits getätigten Investitionen in den erreichten Ist-Stand noch möglichst lange erfolgreich als Gewinn abschöpfen zu können.

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Vorsicht bei Musik + Leistung + Geld!

Menschen-freundliches Marketing

Was könnte Musik für die Welt leisten?

Was ist das für eine verrückte Frage? Musik ist ein schönes Beiwerk. Aber Musik wird den Verlauf der Welt nicht bestimmen können.

Das könnte schon sein. Aber ich glaube das nicht. Musik wird schon seit langer Zeit erfolgreich kontrolliert. Der Grund dafür ist einfach:

  1. Musik und Marketing sind traditionell zwei Welten, die seltenst miteinander erfolgreich in Berührung gekommen sind. Wer also die Fremdbestimmung, früher durch Fürsten und die Kirche, heute durch staatliche Subventionen sowie über den Besitz so genannter Verwertungsrechte von Musik, vermeiden will, der muss sich als Musiker mit Marketing anfreunden.
  2. Musik ist die Sprache der Gefühle. Eigene Empfindungen werden ausgedrückt. Die Emotionen anderer werden über die Musik angesprochen. Musik geht somit unter die Haut. Das ist gefährlich. Daher muss man Musik kontrollieren. Denn Gefühle KÖNNEN die Welt verändern!

Was Musik leisten könnte? Für den Menschen ungeheuer viel. Daher geht schon lange mein Appell in die Richtung, dass man den an der Musik Interessierten nicht Fingerfertigkeiten zum Nachspielen von Bach, Beethoven, Mozart, etc. lehren sollte, sondern die Musik dazu nutzen könnte, um den Menschen Wesentliches fürs Leben zu vermitteln. Das Spektrum reicht vom Stresstraining bis hin zum Empowerment, der Selbstbefähigung auf der Grundlage der Vermittlung von Erfolgserlebnissen. Sie hätten es gerne konkreter? Nun, Sie kennen vermutlich die Vorspielabende der Musikschulen. Das sind die reinsten Stresserlebnisse für die Musikschüler, die auf die Bühne müssen äh dürfen. Werden sie auf den Stress vorbereitet? Ist der Umgang mit Stress Teil eines Lernprozesses? Wird auf den Bühnenaufritt konkret vorbereitet? Meines Wissens nach in der Regel nicht. Wenn aber die Musikschulen Stresstraining leisten würden, könnten sie den Musikschülern etwas sehr Positives fürs Leben mitgeben, nämlich in Stresssituationen die Belastung erfolgreich kanalisieren und für die eigene Leistung nutzen zu können.

Wie bereits erwähnt, spielen die meisten Menschen Klavier, um sich über das Klangmuster des Instruments selbst harmonisieren zu können. Doch der Klavierunterricht lebt davon, die Schüler damit zu beschäftigen, ständig Neues lernen zu müssen. Neues lernen erzeugt zuerst einmal Stress. Ständiges Neulernen ist somit für diese Klientel kontraproduktiv. Die Lösung müsste sein: Sich gemeinsam ein Repertoire erarbeiten, um dieses Repertoire dann im Alleingang zu vertiefen. Später trifft man sich wieder, um das bislang Erarbeitete zu erweitern, oder um inzwischen aufgetretene Probleme zu klären. Klavierlehrer werden einwenden: Wie soll man davon bitte leben können? Sehr gut, wenn Sie erst einmal eine gewisse Anzahl an solch eigenständigen Projekt-Kunden haben!

Musik könnte eine Möglichkeit sein, über die man seine Kreativität entfalten lernt. Werde ich dazu angeleitet, kreative Lösungen zu finden, bekomme ich den größten Schatz. Habe ich nämlich erst einmal in einem Bereich erlebt, wie ich Kreativität entwickeln kann, so gelingt mir anschließend der Transfer auf andere Themen. Dieser Schatz ist nicht nur unbezahlbar, sondern für die nächsten Generationen zum Bewältigen all der auf sie zukommenden Probleme ein überlebensnotwendiges Muss. Wenn wir das Klavierspiel tatsächlich weiterhin wie bislang weitgehend auf das Nachspielen von bereits geschriebenen Werken reduzieren, verpassen wir diese einzigartige Gelegenheit, über die Musik nachhaltig Problemlösungskompetenzen entwickeln zu können.

Musik selbermachen

Musiker als Vorbilder und Teile der Musikinstrumentehersteller sind bereits dabei, einen neuen Trend auf den Weg zu bringen. In Zukunft werden wir verstärkt Musik selber machen - und zwar die eigene Musik! Das ist die konstruktive Antwort auf bereits gar nicht mehr aufzuhaltende Entwicklungen vor allem in der klassischen Musik. Damit meine ich konkret, dass in Kürze in der Klassik keine Leistungsträger aus Europa oder gar aus Deutschland mehr erwartet werden können, da unsere Musikhochschulen seit Jahren von Asiaten überlaufen sind. In Asien boomt die westliche Klassik, während man im Westen, konkret in Deutschland Hände ringend versucht, die Menschen vom Musikstudium abzubringen, indem man Orchester schließt oder zusammenlegt, um nachzuweisen, dass die Behauptung fehlender Arbeitsplätze stimmt, sowie durch den Abbau von Professuren an den Musikhochschulen. Das G8 als Schulform lässt den Kindern und Jugendlichen immer weniger Zeit für die äußerst zeitaufwendige klassische Musik. Mir wird berichtet, dass die Teilnehmerzahlen an Musikwettbewerben wie Jugend musiziert stark nachlassen. Inmitten dieses doch recht eindeutigen Szenarios erscheint nun die im Auftrag von Yamaha neu gestaltete Homepage von Bösendorfer auf Seite 1 mit der Aussage:

6 Jahre wertvolles Warten

6 Jahre dauert es insgesamt bis Ihr Bösendorfer Instrument fertig intoniert unsere Manufaktur verlässt. Damit es dazu kommt, ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. Noch heute ist das Meisterhandwerk Klavierbau eine kunstvolle Herausforderung. (Quelle: Homepage https://www.boesendorfer.com/de Seite 1 am 12.02.2017)

Also noch einmal: Diese Textvorgabe stammt von Yamaha, dem Weltmarktführer im Bau akustischer Pianos mit Seriennummern nur der in Japan hergestellten Klaviere und Flügel über 6 Millionen. Diese gigantische Stückzahl hat Yamaha erreicht, da es die Japaner verstanden haben, den Klavierbau weitgehend zu automatisieren - und zwar lange vor der Zeit, als die Automatisierung ein Trend geworden ist. Yamaha greift also das Denken und die Argumentation jener Klavierhersteller auf, die genau diesen Schritt der Industrialisierung des Klavierbaus nicht leisten konnten, und sich daher Pianomanufakturen geannant haben, um eben als Gegenstück zu Yamaha die handwerkliche Leistung in den Vordergrund zu stellen. Damit verbunden war aus Sicht der zahlreichen Kontrahenten eine argumentative Rechtfertigungs-Strategie des im Vergleich zu Yamaha eben höheren Preises. Nichts anderes steckt dahinter, wenn man Bösendorfer-Interessenten nun suggeriert, es würde 6 Jahre dauern, bis das Instrument fertig intoniert sei. Das ist Teil des neuen Konezpts einer Welt, in der noch alles heil ist, alles von Hand gemacht wird, alles seinen ursprünglichen Wert hat, alles so bleibt, wie es ist. Überlegen Sie einmal: Wenn Sie heute ein Bösendorfer-Piano bestellen. Wie sieht in 6 Jahren unsere Welt aus? Dann sind auch in Deutschland bereits die selbstfahrenden Elektroautos auf der Straße!

Anstatt also die Situation der Klassischen Musik offen, kritisch und das heißt lösungsorientiert zu diskutieren, verschweigt man nicht nur den Ist-Stand, sondern setzt noch einen drauf: Yamaha verpasst Bösendorfer ein Reset als Teil eines Heile-Welt-Konzepts. Wann führen wir ein Reset durch? Wenn ein technisches Gerät nicht mehr funktioniert. Mit dieser Maßnahme beweist Yamaha nicht nur, dass etwas nicht funktioniert, sondern viel schlimmer, dass etwas nicht mehr stimmt. In welcher Zeit leben wir? Welche Allmacht glaubt die Firmenleitung in Japan zu haben? Yamaha verordnet Bösendorfer nämlich ein Reset von Entwicklung! Ein derartiges Zurücksetzen von bereits erreichter Entwicklung, von damit verbundenen Erfahrungen und dem daraus resultierenden Wissen führt uns direkt in Welt des Romans 1984 von George Orwell. Tragische Szenarien wie in dieser 1949 geschriebenen negativen Utopie erleben wir gerade massiv in der Türkei und ebenso bei Trump in USA. Es geht um das sehr zeitgemäße Thema der Diktatur, also einer scheinbar heilen Welt, die jemand auf Knopfdruck, Anordnung oder schlicht mit roher Gewalt erzeugt. Wir Deutschen haben so eine Diktatur erlebt, von der man sagt, dass sie uns bis heute in unseren Entwicklungsmöglichkeiten einschränkt. Aufgrund dieser Erfahrung müssen wir uns eindeutig gegen derartige Tendenzen positionieren, diese klar und deutlich benennen, sowie in diese Richtung weisende Maßnahmen entlarven. Das ist genau genommen ein gesellschaftlicher Prozess, den wir jetzt üben müssen, dennn wir werden ihn in naher Zukunft wiederholen, wenn es um Big Data und zahlreiche andere Themen aus der neuen Welt des Internets geht. Daher ist die Überschrift des ersten Teils des nun folgenden Videos der Sendung Titel, Thesen, Temperamente vom 05.02.2017 treffend gewählt. Sehen und hören Sie Kampf um unsere Werte mit den aufschlussreichen Analysen der Linguistin Elisabeth Wehling (Dauer: 7:12 Min.):

Aber wir wollen kein Reset von Entwicklung, sondern uns mit neu entstehenden Tendenzen auseinandersetzen, uns in die Veränderung einbringen, zum persönlichen wie gesellschaftlichen Wachsen eingeladen und zur Entfaltung befähigt werden. Die Absicht der Musikindustrie, uns unter dem Label Musik auf vorzugsweise passive Konsumenten zu reduzieren, ist nachvollziehbar. Doch Musik ist die Sprache der Gefühle. Wie können wir am besten, stärksten, vielfältigsten, intensivsten unsere Gefühle über die Musik ausdrücken? Leisten die uns heute zur Verfügung stehenden Musikinstrumente dies bereits in vollem Umfang? Sind die heute bekannten Modelle von Musik dazu imstande? Ist die Musik zeitgemäß und somit ein Spiegel unserer Zeit? Solche und ähnliche Fragen könnten dem Musikmarketing eine äußerst lebendige Orientierung bieten. Maßnahmen, wie das auf Bösendorfer bezogene Reset von Yamaha, lassen unsere Alarmglocken schrillen und wir stellen fest:

Die Musik braucht keinen Markt, da die Menschen in Zukunft verstärkt ihre eigene Musik machen werden - nicht wegen des Profits, um keiner Leistung willen, sondern wegen des musikalischen Dialogs, des Ausdrucks der Gefühle und/oder zur Selbstharmonisierung. Jeder einzelne wird sein eigener Star, wenn er sich mit Selbstbefähigung positiv auflädt. Von diesem sich immer deutlicher abzeichnenden Trend lesen Sie auf meiner Homepage klavierpiel.info/lernen.html.

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